Musik als ökumenische Kraft oder ästhetisches Zeugnis der Endzeit?


 Administrator    10 Sep 2016 : 22:36

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Welche Rolle spielt Musik am Ende der Zeit?

Ein Vortrag von Dr. Wolfgang Stefani, Ph. D., gehalten im Juni 2016 im adventistischen Zentrum Wolfswinkel in Zürich.

 

 

 


 

Musik ist ein Kulturgut, das die Gesellschaft stark beeinflusst und formt. Als Adventisten, die wir glauben, dass wir in der letzten Phase der Geschichte leben, wissen wir, dass es im Hintergrund eine große Auseinandersetzung zwischen himmlischen und satanischen Mächten gibt. In Daniel 3 wird berichtet, dass in der Ebene Dura alle Völker und Sprachen vor einem Standbild versammelt wurden. Hierbei war es die Musik, die dafür sorgte, dass alle Nationen gemeinsam das Standbild anbeteten. In der Bibel gibt noch es weitere Beispiele, bei denen ersichtlich wird, dass Musik in eine falsche Anbetung hineinführen kann (etwa das goldene Kalb am Sinai in 2. Mose 32 oder Baal-Peor in 4. Mose 25). 

In dem Dokumentarfilm "Dances of Ecstasy", welcher 2003 von Frank Vandame produziert wurde, wird deutlich, dass es trotz weltweiter kultureller Unterschiede erstaunliche Übereinstimmungen in der Musik gibt, wenn es um das Erzeugen von Ekstase geht. Dazu gehören z. B. indische Hindu-Rituale, Feuertänze in Santa Cruz (Kalifornien), weltweite Schamanentänze, Regenbogenschlangenfeste in Australien, wo heute die neueste Techno-Musik benutzt wird, aber auch Rave-Parties mit westlicher Discomusik. Alle folgen den gleichen Grundmustern. Tatsächlich dient diese Art der Musik in allen Kulturen als Mittel für Bessesenheitszeremonien. Das Interessante dabei ist, dass die westliche Popmusik in die selben Muster hineingeht.

Vor dem Hintergrund des großen Kampfes fragt man sich hier, ob dies nur Zufall sein kann oder eine intelligente Macht am Werk ist, die auf diese Weise alle Kulturen vereinigen möchte.

In unserer heutigen Zeit sehnen sich die Menschen an erster Stelle nach Erfahrung. Das Rationale gerät immer mehr in den Hintergrund. Man glaubt, dass man der Wahrheit durch die Hingabe an Gefühle viel näher kommen kann, als durch verstandesmäßiges Nachdenken. Musik und Tanz sind Kennzeichen der heutigen Generation.

Dieses große Bedürfnis kann man auch in den christlichen Kirchen beobachten, wo die Predigt immer kürzer und der Lobpreisteil immer länger wird. Bewegung, Tanz und Schlagzeug halten überall ihren Einzug.

Indem der Schwerpunkt weg vom Verstandesmäßigen hin zur Erfahrung verschoben wird, spielen Lehrunterschiede eine immer kleiner werdende Rolle. Damit offenbart diese Art von Musik ihre ökumenische Kraft: Sie vereinigt Menschen mit den verschiedensten Hintergründen in einer Art von Anbetungserfahrung.

Menschen, die auf Jesu Wiederkunft warten, sollten vor diesem Hintergrund äußerst wachsam sein. Sollte die Geschichte in Daniel 3 eine Bedeutung für die Endzeit haben, dürfen wir dieser Musik nicht gutgläubig und naiv gegenüberstehen. Wenn in Offenbarung 13 davon berichtet wird, dass sich am Ende alle Nationen zu einer gemeinsamen Anbetung zusammenfinden werden, dann kann das nicht nur auf politischer oder wirtschaftlicher Ebene geschehen. Musik wirkt in diesem Zusammenhang wie ein sozialer Klebstoff, der die Fähigkeit hat, unterschiedlichste Menschen weltweit zu einer falschen Form der Anbetung zusammenzuführen.

Während William Miller in den USA im Jahr 1835 gerade damit begann, seine Botschaft aus dem Buch Daniel zu verkündigen, schrieb der klassische Musikkomponist Franz Liszt, der Schwiegervater von Richard Wagner, ein religiöses Manifest, welches er "Die religiöse Musik der Zukunft" nannte. Darin erklärt er:

"Zu einer Zeit, wenn die Altäre knarren und wanken, wenn die Kanzel und religiöse Riten zu Dingen des Zweifels und Hohns geworden sind, dann ist es wichtig, dass die Kunst den Tempel verlässt, dass sie sich ausstreckt und ihre wichtigste Entwicklung in der Welt da draußen vollzieht. Um das zu erreichen, steht die Schaffung einer neuen Musik bevor: Im Kern religiös, kraftvoll, berührend. Diese Musik, welche wir aus Mangel eines anderen Namens humanistische Musik nennen, wird beides, das Theater und die Kirche, auf kolossale Weise zusammenbringen. Sie wird zur gleichen Zeit dramatisch und heilig, würdevoll und einfach, bewegend und feierlich, feurig und wild, stürmisch, doch ruhig, heiter und sanft sein. Am Ende werden alle Menschenklassen in einem gemeinsamen religiösen, großen und erhabenen Gefühl zusammen vereint sein. Das wird die Fiat Lux der Kunst sein. Komm, komm nun o Zeitalter der Herrlichkeit, wenn die Kunst in all ihren Formen komplett sein und sich selbst erfüllen wird. Wenn sie sich selbst zu ihren ultimativen Höhen erheben wird und durch Brüderlichkeit die gesamte Menschheit in einem glückseligen Wunder vereinigen wird."

Man fragt sich, ob diese Vision inzwischen Wirklichkeit geworden ist. Gelehrte und Soziologen sind sich heute einig, dass Musik eine starke Kraft zur Identitätsfindung ist. Sie bewirkt, dass Menschen eines Sinnes sind und gibt ein Gefühl der Zusammengehörigkeit.

Auf der ganzen Welt findet man heute ähnliche Musik. Könnte es sein, dass die Bühne bereit ist für eine gemeinsame globale Identität?

Wenn sich die Ereignisse, wie damals auf der Ebene von Dura in Daniel 3, wiederholen, werden wir als Adventisten dann noch einen Sinn dafür haben, wie man den Herrn in der Schönheit seiner Heiligkeit anbetet? Werden wir dann noch den Unterschied kennen zwischen heilig und unheilig? Oder werden wir einfach auf der großen Bühne der falschen Anbetung mitmachen?

Vielleicht ruft uns die Heilige Schrift gerade deshalb dazu auf, ein "neues Lied" zu singen.

Sollten wir uns nicht zurückziehen von diesem weltweiten Trend zur Erfahrungskultur und uns auch nicht zu sehr an den Klang dieser gegenwärtig so populären Musik gewöhnen, damit wir die Zeichen der Zeit wieder deutlicher hören und sehen können?

Möge sich doch ein jeder ein Beispiel an Schadrach, Meschach und Abed-Nego nehmen und standhaft stehen bleiben, wenn die Welt aufspielt zur Anbetung des Tieres in Offenbarung 13. Mögen wir doch einst viel lieber in der Ewigkeit das Lied des Mose und des Lammes zusammen mit allen Erlösten vor Gottes Thron singen.

 

Toolbar Music     Computer      Dr. Wolfgang Stefani, Ph. D, aus Australien (englisch - dt. Übersetzung)